Tagebuch
Laue Wind und ein Besuch aus der Vergangenheit!

Morgens erklären wir das An- und Ablegen, damit die Schüler flügge werden, Nachmittags geht es mit der ganzen Flotte Richtung Dalben, während ich mich um die vier SBI-ler kümmere, die mir ihre Manöver am Stegkopf vorsegeln müssen. Dem immer zarter werdenden Wind begegnen sie mit viel zu extremer, ruckartiger Ruderführung, in deren Folge sich der Fahrtverlust zeigt. Langsam bekomme ich sie aber auf Linie, erkläre das BüB, das wir Morgen aber noch werden vertiefen müssen. Ein herrliches Bild ergibt sich gegen vier Uhr, als die ganze Flotte vor dem Wind wieder Richtung Steg segelt. Olaf taucht überraschend auf, ihn habe ich vor vielen, vielen Jahren in Kenia in einer Lodge kennengelernt...unser Kontakt war vor einigen Jahren abgebrochen und jetzt wieder aufgefrischt...
18.06. Nasser Sonntag und schöner Wochenbeginn!
Am Sonntag ist es dann soweit für Holger und Sven. Christine schließt sich mit Alice an, Kleiderprobe, den richtigen Neo und Schuhe finden. In dieser Zeit erkläre ich das An- und Ablegen für Merle, Steffie, Olaf und Frank. Darauf kommen die Kenterzeichnungen an die Tafel. Bei leichtem Regen und kleinen Böen scharrt die am Stegkopf vertäute Möwe mit den Segeln. Holger schafft es tatsächlich von hinten auf das Schwert zu klettern. Beide steigen bravourös beim Aufrichten ein. Alice/Christine arbeiten ja mit geringerem Gewicht, haben also einen längeren Einstiegsweg, endlich tritt auch Antje noch einmal an. Unsere Menhire werden derweil von Volker und Klaus betreut. Nachmittags kommen immer wieder kleinere Schauer - doch versuche ich die Möwen auf Kurs zu bringen. Plötzlich taucht ein Wasserschutzpolizist auf dem Steg auf, ein Menhir von mir habe wohl Mastbruch. Es ist der Andreas aus Oldenburg - er schafft es sowieso so selten, zum Segeln zu kommen und dann das: Die Backbordwanten brechen - Materialermüdung. Wir entdecken später keine Anzeichen von Vorschädigung. So ein Pech für ihn, haben wir doch vorher noch beschnackt, dass er meine Telefonnummer auf Handy speichern möge. Da er mich nicht erreicht hat, ruft er folgerichtig bei der WaPo an, die mich dann informiert. Nein, kein Seenotfall, ob wir uns darum kümmern wollen. Ich rufe nur: Moritz. Du hast jetzt zwei Möglichkeiten: meine Ausbildung übernehmen oder auf Bergefahrt gehen. Er entscheidet sich für Letzteres, Stanzerl steigt mit ein, die Wapo sagt, sie dürfen Heute auch schneller fahren als erlaubt. Das nimmt Stanzerl begeistert auf, so dass der Polizist sich noch genötigt sieht, zu sagen: Aber nur Heute! Draußen treffen sie auf die Venus, sie liegt längsseits an der Fehmarn, dem Boot der Wapo, Heck vorraus!!! Gegen 16 Uhr sind dann alle erschöpft, der Sonntag neigt sich dem Ende entgegen. Da sehen wir, dass die Fehmarn einläuft - artig walke ich zum Liegeplatz, bedanke mich beim Bootsmann, für Ihre Arbeit und nette Art.
Stanzerl kocht Spaghetti mit Fleischsosse. Nils und Volker erlaben sich ebenfalls an dem Mahl. Alice und Katja, unsere neue Grundkursschülerin, verpflegen sich auf eigenen Wegen. Abends mache ich viele Sonnenuntergangsfotos vom Steg aus. Der Montag: Im Freisitz gestalte ich den Einführungsunterricht mit Alice, KatjaChristoph aus Lensahn, Hanno und Kathrin, ein Paar, das mit einem Miniwohnwagen vor dem Gelände steht. Maddel bekümmert 23 Schüler der Segel-AG von Gerhard. Dieter, Klaus, Antje, Volker unterstützen ihn dabei .... Nachmittags kann ich Alice meinen Menhir nach einer Weile übergeben, sie trainiert mit ihrer Crew das An- und Ablegen. Das ist schon Saison, wenn es ohne Pause weitergeht, wehmütig denke ich noch an die Coburger, habe aber schon wieder neue Gesichter vor mir. Zwei Clubmitglieder tauchen bei mir im Büro auf, um ihre Mitgliedschaft zu verlängern. Am nächsten Morgen ein Novum bei meiner Walkingrunde - Katja begleitet mich, läuft dann aber von der Seebrücke zur Schule, um Ihre Badesachen zu holen - ein kurzes Bad in der Ostsee lockt. Später setzen wir den Mast auf der Venus, eine Wante musste ich noch verkürzen. NIls verschraubt, nachdem alle Hand angelegt haben: Katja, Dieter, Antje und Volker.
15.06. praktische Prüfung, Feier und Abschied...
Peter Paschke, der selbst eine Katamaranschule in der Lübecker Bucht hat, steht mir mir am Stegkopf, um die praktischen Fertigkeiten der Schüler zu würdigen. Besorgt folgt mein Blick den dunklen Böenschatten, die über das Flachwasser kräuseln. Östlich der Midway-Flagge wird es zu flach. Mit dem Prüfer vereinbare ich eine Bahnverkürzung. BüB wird zum Krisenmanöver - ohne Schwert, mit wenig Ruderblatt und drehenden Winden braucht es schon oft vermehrte Anläufe, um die Boje an Bord zu holen. Richard Jeske nimmt die Motorbootprüfung ab, lobt später die Schüler ob ihrer internen Kommunikation, die dann auch zum Erfolg führt. Axel Lohde nimmt die Knoten ab, gewappnet mit einem Zaubertrank. Endlich, der Schnittenberg schmilzt dahin, können die Führerscheine verteilt werden. Die große Erleichterung macht sich breit, zur Prüfung auch noch einer grenzwertigen Wettersituation ausgesetzt zu sein, das war schon eine große Belastung.
Stefanie massiert sich durch die Crew. Alexander arbeitet an der Beschaffungsstrategie, hat er doch ein Auge auf den buten Segelanzug geworfen. Sein letztes Angebot - ein Whiskeyflasche - scheitert an mangelnder Vorinformation. Die Feier zieht sich in die Länge - es ist nicht nur ein Rumesblatt, auch der Dreischlangenschnaps findet den einen oder anderen Gaumen, trifft dann auf vorverdaute Hamburger. Tja, es wird kräftig gespült, geklönt, gewuschelt, Musik ertönt, Lachen und Gesang erfüllen die laue Nacht und Moritz mittenmang. 2 Uhr zeigt es an, als ich die Koje bei Stanzerl aufentere, um nach kurzem Schlaf mit Bleikopf zu erwachen. So bekomme ich noch die ersten Abfahrer mit, so auch Felix, der mit anderen ein 12-Stundenticket gen Heimat gebucht hat. Es ist nur Zeit für die Bodenübungen, der Binnensee fällt heute Morgen aus. Antje und Klaus lassen sich von Volker noch einmal den Menhiraufbau zeigen, übernehmen dann nach meiner theoretischen Einweisung Christine, Merle, Steffie, Alice, Sigrid, Olaf, und Frank. Volker betreut Sven und Holger, die sich zunächst auf dem Menhir einsegeln wollen. Grüppchen um Grüppchen verabschiedet sich, ein Südoster bringt sie mit strahlendem Sonnenschein in den Süden.....
14.06. Prüfungstag
Der Wind hat uns die letzten Tage nicht verwöhnt. Schwächlich in seiner Grundstruktur mit kurzem böigen Aufflammen. Dazu kommt am Donnerstag noch der Regen. Fleißig wird die Theorie gebüffelt, werden die Knoten wiederholt. Maddel und ich besuchen noch einmal die eine oder andere Crew. Sie sind nicht schlecht, doch der Freitag kündigt sich mit harten Windstößen an, ihre schwarzen Spuren fegen über das Wasser. Da geht die Stimmung schon etwas in die Kniekehlen. Dagegen haben wir Gestern Nachmittag noch soviel Spaß beim Kentern gehabt. Jens - ein ehemaliger Schüler, der nur auf Menhir gelernt hat - möchte auf die Möwe, also Kentern. Martha hat sich bereit erklärt, Thabea und Fabienne springen auf den Zug mit auf. Nach dem Pflichtprogramm startet die Kür: So versuchen sie, von hinten auf das Schwert zu klettern. Jens schafft es dank purer Kraft, die Mädels entwickeln aber eine eigene Methode, sich mit Hilfe der Fockschot über die Vorderseite des Schwertes hoch zu wuchten. Abends - es regnet schon - kommen Siegrid und Alice, meine Praktikantin an. Nun - am Freitag - die Theorie ist schon gelaufen, beginnt gleich die Motorenpraxis. Viele haben Angst - zum ersten Mal harter, drehender Wind, darauf sind sie nicht eingestellt, doch sie werden auch das überstehen. Thomas hat schnell noch mit Steffi die Schnittchenlage geklärt - Rum, Eiswüfel und Limettenlimonade stehen bereit ... wir werden weiter berichten.
11.06. Eine Fehmarnfahrt mit Windglück!
Der Sonntag - Ruhe- und Lerntag für die Studenten. Felix hat Geburtstag, die Torte hat im Segellehrerkühlschrank gewartet. Jana und Benjamin bekommen von Tim ihre Möweeinweisung, Thabea und Stefanie machen noch einmal mit. Es ist ein schöner Sommertag. Am Ende trennt sich Tim vom Team der Segelschule, zu sehr gehen die Vorstellungen von Ausbildung, Absprache und Vorbildfunktion auseinander - nun muss er seinen eigenen Weg gehen. Am Montag checke ich die kommende Windlage - komme zu dem Entschluss, die Fehmarnfahrt zu wagen. Thomas H. erscheint zufällig, begleitet Maddel und Thomas L. auf dem Long-Boat. Fünf Menhire nehmen bei diesiger Sicht Kurs auf die Graswarderspitze - die Fehmarnsundbrücke ist gerade noch auszumachen. Glücklicherweise wird es ein Anlieger - ohne Kreuzschlage erreichen wir die Ostmole von Orth. Auf dem Schiff von Stefanie, Rebecca, Thabea und Sandra reißt eine Segelnaht, der Großbaum kracht herunter. Maddel entert auf und richtet die Lage. Fortan müssen sie mit einem kleineren Normalgroß segeln. Nach kurzer Rast können wir bei strahlendem Sonnenschein und leichter Welle direkt den Klaustorfer Turm ansteuern. Steffie kommt uns mit ihrem Contender entgegen. Im Bereich der Fahrrinne müssen die Studenten kreuzen. Schließlich liegen alle Schiffe wieder friedlich am Steg. Gegen 17 Uhr beginne ich mit der Theorie. Am Laptop gehen wir die Lern-DVD durch. Dessen Inhalt ist aber - ärgerlich - noch nicht auf die neuen Fragen angepasst.
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