04. Dezember - Ghana VII

Mit einem Taxi geht es zum Busbahnhof. Jetzt beginnt das große Warten. Es ist heiß, draußen wird eine Musikanlage aufgebaut. Musik aus Lautsprechern gehört in den großen Städten zum allgemeinen Lärmpegel. Auch im Bus plärrt das Radio – alles übersteuert. Verkäuferrinnen belagern uns. Hitze und Krach zerren an den Nerven. Neben mir eine Mutter mit Kleinkind, das mich mit großen Augen anstarrt, und mit Vorliebe in meine Arme kneift, und Haare ausreißen will. Konstanze in der Mitte des Busses eingepfercht gibt Warnung: „lange halte ich es nicht mehr aus, kann sein, dass ich gleich den Bus verlassen muss“. Ich blicke aus dem Fenster, geräucherter, riechender Fisch wird an meiner Nase vorbei getragen, in meinem Kopf bildet sich der Kommentar: „Danke, mir ist schon schlecht“. Endlich: es geht los. Sinneseindrücke: die Mutter neben mir greift mit der Hand in einen Plastiksack, und schiebt sich und dem Kind ein graue, gekochte Masse in den Mund, bedenkliche Duftsignale erreichen mein Riechorgang, ich muß wegblicken. Die gleiche Hand der Frau wechselt bei dem Kind die Windeln – ich bemühe mich, meine Sinneswahrnehmungen gegen Null zu schrauben. Doch die Fahrt verläuft ganz gut, bis auf einen kurzen Stop, bei dem eine Kombizange den Motor zum Weitermachen überreden kann. In Kumasi steigt ein netter Mann mit uns aus, damit wir unser Hotel auch sicher erreichen. Wir sind unsicher, ob wir diesen Akt als reine Nettigkeit annehmen können. So verdattert stehen wir am Hotel, dass wir ihm nicht einmal richtig „Danke“ sagen.
Nach kurzer Orientierung wollen wir in die Stadt aufbrechen. Zwei junge Frauen – Hotelangestellte – rufen ein Taxis und nehmen uns mit. Bei uns kräuseln sich die Nackenhaare, denken wir wieder daran, wie wir heil zurück kommen. Die Hitze setzt mir besonders zu, so landen wir in einem Café/Reataurant im Zentrum, das hauptsächlich von Ausländern bevölkert wird und unter Leitung einer Inderin steht. Ich genieße eine herrliche Chilli-Knoblauch-Sauce.
Abends können wir zum ersten Mal an einer Straßenbar Platz nehmen. Nebenan wird eine Musikkapelle aufgebaut. Die Beleuchtung ist mehr als spärlich – wir sitzen fast im Dunkeln, um uns herum nur schwarze Menschen, ein bizarres Schattenspiel für uns, bei weißen Gesichtern hätten wir mehr gesehen. So sitzen wir im ungewohnten Schattenreich, nur das Weiß der Augen und der Zähne blitzt zuweilen auf. Ein Schwarzer bittet uns an seinen Tisch, redet aber nicht. Irgendwann gibt er etwas Bier von sich. Die Big-Band mit Gesang spielt langsam auf.