05. Dezember - Ghana VIII

Wieder am Busbahnhof. Unser Taxi hat sich verkehrt eingefädelt, muss noch eine Runde fahren und 5 Cedits Strafe zahlen. Es ist trubelig, unübersichtlich, groß voller Menschen und Minibussen. Während der Wartezeit stehe ich draußen am Bus, rauchend, weiche den Verkäuferinnen aus, deren Kopflasten knapp mein Schläfen passieren. Da wir wieder die einzigen Weißen in diesem Umfeld sind, kommen die Menschen teilweise neugierig auf uns zu. Einer, der sich als Mann für alle Fälle, bezeichnet, Gäste zu den entsprechenden Bussen führt, möchte mein Telefonnummer, versucht auch gleich anzurufen, die internationale Vorwahl dabei weglassend. Warum die Telefonnummer? In Ghana ist dies wohl die einzige Möglichkeit, um Leute, die entfernt wohnen, schnell zu erreichen. Die Postzustellung ist schwierig, oft existieren nur Postfächer in einem größeren Ort, die dann irgendwann geleert werden müssen. Richtige Adressen, Hausnummern sind kaum auszumachen. Das Festnetz ist nur sehr unzureichend. So hat das Handy eine überragende Bedeutung in der Kommunikation. Im Straßenbild dann auch nicht zur übersehen: Vodaphone, diese Gesellschaft sponsert rote Farbe … so gibt es auf jeder Straße mehrere Hütten oder Stände, die in dieser Farbe mit dem entsprechenden Schriftzug gestaltet sind.
Jedenfalls gebe ich den Leute auf dem Busbahnhof meinen Segelschulsprospekt, wir sehen sie dann in Grüppchen stehen. Wir machen uns Gedanken, was diese Menschen wohl mit den Bildern anfangen können. Jedenfalls ist dies kein Akt der gezielten Kundenwerbung.
Unser Bus startet, Verkehrschaos, träge schieben wir uns über lange Zeit aus der Station heraus. Die Fahrt verläuft dann im gewohnten Trance. Die Erde wird rot, die Landschaft hügeliger. Nkoranza ist unser Ziel, hier wollen wir eine Dorf des Projektes „Operation hand in hand“ besuchen. Im Ort organisieren wir ein Taxi. Konstanze lernt zu handeln, so steigen wir erst in das zweite ein. Es ist eine schöne Anlage. Auch hier wird versucht, das Projekt zu finanzieren, indem ein gewisser Tourismus eingebunden wird, in dem Unterkünfte für sie erstellt werden. In unserem Raum liegen auch Informationen über das Projekt aus. In diesem Dorf leben behinderte Kinder mit ihren Betreuern in Häusern zusammen, es gibt gemeinsames Essen, Spiele, und Einbindung von Jugendlichen, die zur Schule gehen. Behinderte Kinder werden in Ghana oft ausgesetzt, dem Wassergeist geopfert. Allerdings gibt es kaum eine Moderation zwischen dem Projekt und den Gästen. So versuchen wir selbst, ein wenig Kontakt zu knüpfen. Die Kinder kommen auch auf uns zu, doch haben wir keine Erfahrung mit dem Umgang, mit unseren hilflosen Gesten können wir nicht viel erreichen. Konstanze wird sogar von einem Kind gebissen. Jedoch bekommen wir Kontakt zu Bob, eigentlich Robert. Er ist der Ehemann von Ineke Bosmann, die zur Leitung der Anlage gehört. Er scherzt mit uns, speziell mit Konstanze schäkert er auf sympathische Weise, einen Song auf den Lippen swingt er sie an. Dann führt er uns in seine privaten Gemächer. Nach meiner Erinnerung ist er ein jüdischer Amerikaner, seine Lebensgeschichte hängt im Schlafzimmer in Form vieler Fotos. Es ist ein sehr interessantes Rundhaus im Rundhaus, wir sind beeindruckt. Seine Bibliothek umfasst auch Werke von Thomas Mann und Brecht. Ein Mann – sein Wesen – ein Erlebnis. Versorgt werden wir über das Dorf, dessen Minirestaurant einfaches Essen in minimalen Portionen bietet. In dem kleinen Shop erwerben wir Dinge, die von den Kindern hergestellt worden sind. Dort steht auch zu meiner Überraschung eine Phalanx von Weinflaschen, kalifornischen Ursprungs … warmer Wein aus Urinflaschen …