15. Dezember - Ghana XVIII

Früh sind wir auf und fahren mit einem „public taxi“ zur Mass/Metro-Station. Wir bekommen einen guten Platz, doch entspinnt sich ein langes Warten. Ich wandle draußen herum, komme mit einem Lotteriemenschen in Kontakt. Auf der Fahrt sehen wir eine Frau, die folgendes Buch liest: „Prayers and promises for supernatural babybirth“. Ein Mitfahrer sagt uns fälschlich, dass wir aussteigen müssen, die übrigen portestieren lauthals. So kommen wir an, fahren mit einem „share-taxi“ zur „Lonbeg Lodge“. Die Rezeption ist vom Strand entfernt. Trotz Strandlage bekommen wir eine zugemauerte Atmosphäre zu spüren – Palmendächer aus Beton. Wir sind zurzeit wohl auch die einzigsten Gäste, wobei dies nicht immer klar auszumachen ist. Wir haben aber einen kleinen Balkon, der uns Ausblick auf das Strandleben biete.
Das Einholen der Netze und Boote bestimmt den Nachmittag. Gegen Abend gehen wir am Strand entlang, der lang und breit ist, tagsüber aber keinen Schatten bietet. Wir beobachten Kinder beim Fußballspiel, werden auch von welchen angesprochen, die uns aber nur ein kurzes Stück begleiten, vielleicht haben ihnen die Eltern Reviergrenzen vorgegeben. Auf den Booten liegen Fische zum Trocknen aus. Das Leben am Strand versöhnt uns etwas mit dem Ambiente unserer Unterkunft. Wir essen im Hotel, mich nervt der Lärmpegel: vorne läuft Fernsehen, hinten das Radio, zwischendurch wird laut telefoniert. Ich bitte, das Radio leiser zu stellen. Wir unternehmen einen Ausflug ins Dorf, wo die Menschen noch voll in der alten Währung leben – so schrecken wir zunächst vor den Preisen zurück, bis sich dies aufklärt. Wir suchen eine Bar auf, über eine Treppe geht es in den zweiten Stock. Unter der Treppe arbeitet ein Friseur im Freien. Die armen Leute tragen wahrscheinlich aus hygienischen Gründen kurz geschorene Haare. Frauen, die es sich irgendwie leisten können, versuchen ihre Kraushaare glatt zu ziehen, mit Strähnen zu verändern. Wir wollen von der Atlantikseite zur Lagune laufen, kommen in ein Häuserlabyrinth, wo uns die vielen angefangenen Bauten auffallen. Die im Reiseführer angepriesenen Bauten aus der Kolonialzeit sind nur mit genauem Hinsehen im Ansatz zu erkennen.