14. Dezember - Ghana XVII
Früh sind wir auf, laufen zum Tro-Tro, der auch sofort losfährt. Die Busfahrer schalten viel zu schnell hoch und zu spät wieder herunter. Wir kriechen eine Hügel hinauf, da – die Schaltung verabschiedet sich endgültig. Der Austausch mit einem neuen Tro-Tro geht schnell und leise vor sich, bis auf die Verhandlungen um das liebe Geld. Die Konkurrenz unter den Fahrern ist ziemlich hart. Da wird ein Fahrgast, der bei uns einsteigen will, recht rabiat weggerissen, weil er davor in das Tro-Tro einsteigen soll. Wir beziehen in Ho unsere Unterkunft, groß, verwaist – wir scheinen wieder einmal die einzigen Gäste zu sein.
An der Rezeption können wir einen Taxifahrer organisieren, der uns nach Amedzofe, einem kleinen Bergdorf, bringen soll. Eigentlich wollen wir noch frühstücken, da keine Bedienung auftaucht, versorgen wir uns mit Wasser und Keksen. Unser Driver ist ziemlich wortkarg. Über Serpentinen schrauben wir uns in die Bergwelt hoch, der Straßezustand verschlechtert sich immer mehr. Im Dorf selbst gehen wir in ein Büro, um uns anzumelden. Wieder tragen wir uns in eine große Kladde ein. Auf die Frage nach einem Plan wird uns eine alte Karte gezeigt, auf der wir so gut wie nix erkennen. Doch der Weg ist einfach, es geht langsam bergan. Wir sind auf dem Gemi-Pfad. In einer kleinen Hütte vor dem letzten Anstieg sitzt ein junger Mann, der auf seiner Gitarre spielt. Er kontrolliert wohl, ob auch alle Gäste wieder zurückkommen. Es ist Mittag, die Sonne brennt, ich habe meinen Hut vergessen, mühsam erklimmen wir den Gipfel, der mit 770 Meter eine schöne Aussicht bieten soll. Leider ist es sehr dunstig. An der höchsten Stelle steht ein Kreuz, das die Deutschen errichtet haben sollen. Der Ort war früher eine Verwaltungsstelle der deutschen Kolonialbehörde in Togo. Am Ziel machen wir ein paar Kreuzigungsaufnahmen, ich versuche den Ausblick filmisch festzuhalten. Als wir uns auf den Rückweg machen, finden wir auf einem Felsen das „Neue Testament“. An der Kontrollhütte bitte ich den jungen Mann, uns etwas auf seiner Gitarre vorzuspielen. Wir gehen weiter Richtung Dorf und stoßen auf einen älteren Mann, der an einem Tisch unter Bäumen sitzt. Vor ihm liegen alte Prospekte – ein Stadtplan von Accra! – und ein Fotoalbum. Am Rande dieses Platzes, quasi am Abgrund, steht eine überdachte Aussichtsplattform, die sich anscheinend noch im Bau befindet. Hier sitzen tatsächlich auch noch zwei weiße Touristen. Der alte Mann liest uns aus den Prospekten vor. Mit monotoner Stimme stolpert er über die Worte – fast macht es einen tragischen Eindruck, wie er stolz und fernab jeglicher touristischer Infrastruktur für sein Plätzchen wirbt. Wir lassen eine kleine Spende da, bieten ihm Kekse an, die er annimmt, jedoch für den Abend zurücklegt. Er kommt früh morgens an diesen Platz und verlässt ihn erst abends. Der Weg zu ihm ist gesäumt mit biblischen Schildern, die mit ihren Sprüchen die göttliche Verbundenheit zeigen sollen: „Heaven ist not far
“ etc.
Im Dorf selbst werden wir von einem Mann angesprochen, der uns fragt, was wir hier eigentlich machen, was uns hier interessiert. Er versucht, uns zu provozieren, ohne dann aber auf uns einzugehen, wenn wir zu erklären versuchen, dass wir die Informationen aus dem Reiseführer haben. Als wir auf seine Frage, wie der Tourismus verbessert werden könnte, eingehen, habe ich das Gefühl, ins Leere zu reden. Die anderen Dorfbewohner pfeifen ihn zurück, kennen sie wohl seine Eigenheit, Fremde zu belästigen. So haben wir es zwar nicht empfunden, doch ein Austausch hat auch nicht so richtig stattgefunden. Den Tourismus verbessern? Sicher haben wir Ideen, die aber schon am chronischen Papiermangel und der Vernetzung scheitern. Ich denke, wenn die Bewohner Informationen über ihre Gegend sammeln, und in Zusammenarbeit mit den Bildungseinrichtungen in Ghana, die es ja gibt, umzusetzen, dann könnten Schautafeln oder kleine Infoblätter entstehen
. Mir kommen die veralteten Prospekte, die der alte Mann gesammelt hat, in den Sinn.
Wir fahren mit unserem komischen Taxifahrer zurück und wollen etwas essen. Im Reiseführer finden wir„Pleasure Garden“, ein ghanaisches Restaurant. Dort wird eine Schüssel mit Wasser und Pril hingestellt, denn es wird mit den Fingern gegessen. Ich schaue mir die Kochstelle an, was dem Appetit nicht gerade förderlich ist. So richtig Hunger auf Fufu oder Banku will sich nicht einstellen. So nehmen wir schließlich ein Stück Grashopper, dunkles Fleisch, wahrscheinlich Wild, wir finden es nicht heraus. Dann marschieren wir weiter durch Ho, hier soll es ein Tourismus-Office geben, denn wir wollen wissen, wie wir am einfachsten nach Keta kommen, wollen wir doch noch einmal ans Meer. Ein Taxi nimmt uns auf, hat aber keine Ahnung, wohin wir wollen. Ich bin genervt, drücke ihm 2 Cedits in die Hand und wir verlassen das Taxi. Wir finden das Büro, fünf Leute sitzen und stehen hier ohne Aufgabe. Einer nimmt sich unser an, erklärt uns auf nette Weise, welche Handzeichen bei der Tro-Tro-Verständigung gebraucht werden. Anschließend gehen wir in das „Westwind-Restaurant“, um bei Hähnchen unseren noch vorhandenen Hunger zu stillen. Wir sitzen auf Plastikstühlen vor dem Restaurant, das im oberen Stockwerk noch eine Baustelle darstellt. Nach gut einer Stunde kommt das Essen, die Wirtin setzt sich zu uns – wir sind die einzigen Gäste. Wir betrachten das Straßenleben bei hereinbrechender Dunkelheit. Mit einem Taxi fahren wir in unsere Unterkunft zurück.
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