30. November - Ghana III

Wir wollen erst einmal an die Küste zum Ausspannen und Verdauen. Florence besorgt uns ein Taxi. Die Fahrt dauert sehr lange, wir haben schon wieder die Furcht im Nacken, dass der Fahrer den Weg nicht weiß. Wir sind vollkommen orientierungslos. Es gibt in Accra kaum Hochhäuser, markante Punkte sind Glückssache, der Verkehr teilweise sehr chaotisch. Doch, wir kommen an. Ein großer Bus steht vor uns. Das Reiseziel, die Richtung zumindest, stimmt. Wir tauchen ein in den Trubel, unser Gepäck wird einfach mit Filzstift beschriftet und verschwindet in den Eingeweiden des Busses. Wir finden im hinteren Bereich noch Platz. Viele Verkäufer wuseln im Inneren noch herum, bis zuletzt versuchen sie, ihre Waren zu verkaufen. Sehr oft werden kleine Plastiktüten mit Wasser angeboten. Früher ist es wohl so gewesen, dass Gäste immer mit einem Becher Wasser empfangen worden sind. Aus Gründen der Hygiene hat die Regierung dies abschaffen wollen und diese Plastikpacks mit Wasser ins Leben gerufen. Die vielleicht nicht bedachte Folge ist, dass überall  diese ausgelutschten Teile herumliegen. Fast alle Leute, die wir beobachtet haben, trinken in dieser Form. Der Beutel wird aufgebissen, mit Drücken und Saugen entleert, der Abfall dann mit größter Selbstverständlichkeit aus dem Fenster geworfen. Diese Spuren haben wir fast überall auf unserer Reise gesehen.
Vor der Abfahrt hält ein Priester eine emphatische Rede, unterstrichen von heftigen Gebärden. Die Insassen rufen gelegentlich ein Amen und heben zum Gesang an, wenn sie dazu aufgefordert werden. Wir warten auf die Abfahrt, aber die Busse fahren in Ghana nicht nach Fahrplan, sondern erst wenn sie voll sind. Endlich ist die kreischende Stimme des Priesters ruhig, Umschläge werden verteilt, damit man seine Spende diskret an den Priester zurückgeben kann.
Wir fahren endlich ab, doch plötzlich schwingt vorne schon wieder einer eine Rede. Nach unserer Einschätzung eine Mischung aus Entertainer, Verkäufer und Priester. Er verteilt auch Pillen, wir können es nicht ergründen, es bleibt ein skurriler Eindruck zurück: ein Scharlatan, der heilige Medizin verteilt/verkauft???
Langsam quetscht sich der Bus aus Accra heraus. Neben Konstanze sitzt eine Schwarze mit ausgeprägtem Schmollmund, der während der Fahrt nach vorne kippt und über dem ausladenden Busen schwebt. Dieser wird immer wieder durch die Fahrbewegungen des Busses erschüttert. Ich habe dabei die Assoziation von Wackelpudding. An meiner Flanke sitzt eine traditionell gekleidete Ghanaerin, herausgeputzt mit vielen goldenen Applikatioen. Sie wohnt in Holland und kommt auf Besuch. Ihr Angebot, Essen von Ihr anzunehmen, lehne ich mit Hinweis auf Immodium ab. Wir nähern uns Cape Coast, doch der Bus hält nicht, so werden wir geringfügig später an der Straße herausgelassen. Wir gehen zum Strand – oder auch der öffentlichen Toilette der einheimischen Bevölkerung, die am Straßenrand ihre Hütten stehen haben. Im Schatten inspizieren wir den Reiseführer und die Landkarte, haben wir doch mittlerweile gemerkt, dass Taxifahrer in Ghana – Entschuldigung die Direktheit – oft keinen blanken Schimmer haben. Wir winken ein Taxi an den Straßenrand: folgender Text ist zu hören: „Ich kenne den Weg, die Unterkunft auch!“ Kaum ist der Fuß auf dem Gaspedal, ändert sich der Gesichtsausdruck, denn er hat doch keine Ahnung ... Entschuldigend muß ich hinzufügen, dass wir mit den Taxis, die uns in der Städten zu den Busbahnhöfen gebracht haben, sehr zufrieden waren. Mit der Landkarte in der Hand führen wir ihn, wir verfahren uns – schon will er mehr Geld.
Ankunft im Ressort, fünf Rundhütten lieblich in die Palmenlandschaft integriert. Wir sind voll zufrieden und wollen nun nach Accra die Ruhe genießen. Die laut Reiseführer deutsche Leitung ist nun holländisch. Es gibt kein Wort der Begrüßung, wir werden ignoriert – warum? Wir lassen uns dadurch aber nicht länger ärgern, geniessen den Strand …