01. Dezember - Ghana IV
Wir unternehmen einen Strandspaziergang zu den zwei benachbarten Fischerdörfern. Im zweiten Dorf machen wir Rast an einer Schule, singen und spielen mit den Kindern. Englisch-Lesson auf ghanaisch: tanzend und singend mit entsprechenden Gesten hören wir: „this are my ears, this is my nose“ etc. Bei „this is my stomach and my butt“ hüpfen sie wild umher, lachen und klopfen sich auf den Hintern. Dabei mache ich doch gerne mit, was die Komik noch verstärkt. Erst später erzählt mir Konstanze, dass die Lehrerin im Hintergrund dabei gelächelt hat, zwischendurch hat sie einige Kinder wieder zu Unterricht ermahnt, ist dabei aber wohl nicht böse gewesen. Sicher hätten wir hier auch mit in den Klassenraum gehen können. Doch wir sind noch vorsichtig, wollen uns nicht zu sehr aufdrängen.
Dieses Gefühl begleitet uns auch im anderen Dorf, wo wir verhalten betrachtet werden. Es wirkt nicht direkt unfreundlich, ist aber schwer einzuordnen. Wir wollen Wasser kaufen. Eine Frau, die gerade Babybrei anrührt, führt uns zu einem kleinen Laden, wo wir die letzte Flasche Wasser kaufen. Ich genehmige mir auch einen Saft, der im Verhältnis aber ziemlich teuer ist. Sicher hätten wir auch mit dieser Frau, die uns geführt hat, mehr in Kontakt treten können, doch die Unsicherheit hat uns noch im Griff.
Nachmittags faulenzen wir am Strand, doch schon bald gesellen sich acht Kinder dazu. Das Ressort lässt es zu, dass die Dorfkinder mit den Gästen in Kontakt treten. Sie betteln auch nicht, wollen Dir aber natürlich gerne eine Kokusnuss verkaufen. Nun sind sie bei uns: sie betrachten unsere Reiseführer, sind begeistert von Bildern, die Landkarte wird ausgebreitet. Konstanzes Buch wird auf dem Kopf gelesen, wir haben das Gefühl, dass sie noch ein Buch in der Hand gehalten haben. Nach meinem Augen-, Ohr- und Nasespiel gehe ich dazu über, dass alle die schreiben können, ihre Namen aufschreiben. Dann lasse ich dahinter das Alter schreiben, wobei ich immer vorweg gehe. Anschließend versuche ich, mit diesen Zahlen Rechenaufgaben zu gestalten. Der Segelschulprospekt wird mit seinen Bildern ungläubig bestaunt. Wahrscheinlich halten sie die Leute auf dem Bild, auf dem wir alle auf der Optiinsel zum Essen sitzen, für meine Familie, denn die gewünschte Anzahl der Kinder pro Eltern bewegt sich nach unseren Fragen zwischen sechs und acht. Traurig – so haben wir das Gefühl – nehmen die Kinder abends von uns Abschied, sie wissen, dass wir Morgen weiterziehen. Ihre Berührungen, ihre Unverdorbenheit, nicht zu betteln, bewegen uns.
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