26.05. Romantik

Es ist noch kurz vor 5, als ich die Residenz von Konstanze verlasse. Es ist kühl, dennoch sitzen auf der Lästerbank Fantakay und C. & Flo mit S. In Decken gehüllt trotzen sie der Witterung, menscheln in der Romantik des Morgengrauens. Ein schönes Bild. Am Himmel fegen Wolkencumuli gen Osten, die Sonne erkämpft sich an der Kimm ihr Recht. 5 bis 6 Bft mit Böen um 60 km/h sind vorhergesagt, werden die Schüler fordern. Nach dem gestrigen Pladderregen, der den Tag fast gänzlich füllte, eine Erleichterung. Nur wenige konnten sich motivieren, die Segel zu setzen. Angelika und Fritz, Carsten Gust und Familie, Göran, Gerd, Thomas – das sind die Segler, die ich bemerke, während ich mit Gunnar, einem neuen Schüler, die Basics auf dem Menhir einübe. Der Rest der Crew – die Hannoveraner, die Osnabrücker, die Coburger und die lieben Umfeldleute konnten dem grauen, zum Teil flautigen, regendurchwirkten Dasein nichts abgewinnen .... Glücklicherweise können sie auf den Sonntag zurückblicken: die Fehmarnfahrt bei Welle und Wind, Herausforderung der neuen Art. Einige nach 9 Uhr eintreffende Segler müssen auf einen Menhir verzichten, kleine Unstimmigkeiten – doch die Verteilung nimmt ihren Lauf. Mit 17 Schiffen unter der Leitung von Flo/Dennis rollt die Flotte gen Orth. Eine Kenterung des 470igers kostet Zeit, die Jollen müssen kreisen und warten. An Land stehe ich und schaue besorgt nach Westen, kräftige Böen rauschen in den Bäumen. Wir versuchen, Kontakt mit der Armada aufzunehmen. Kein Erfolg. Folker und Carsten fahren mit dem Auto nach Fehmarn, auch sie sichten nix. Ich versuche mich mit der Erkenntnis zu beruhigen, dass wir sehr erfahrene Leute dabei haben, neben der Geschwaderführung sitzen noch Admiral Heaven, Matze, Jan, Hanno auf den Menhiren verteilt. Maddel und Hardy spielen auf ihren Lasern die Hirtenhunde ... Dann endlich nachmittags erhalten wir die Meldung: alles in Ordnung, wir laufen gerade wieder aus. Das Kreuzen in der Fahrrinne nimmt seine Zeit in Anspruch. Folker und ich stehen am Steg, nehmen die Ankommenden entgegen, verweisen die Möwen auf Ihre Plätze vorne am Steg. Mit dieser Aufgabe sind die meisten etwas überfordert, so segle ich mit Fritz in die Box – nur mit extremer Leekrängung bleibt das Schiff steuerfähig genug, um auf engem Raum mit wenig Schwert zum Steg zu kreuzen. So manch einem sehe ich die Erleichterung an, diesen Törn überstanden zu haben – eine Fastkenterung, die Wartezeiten, die Welle, die durch den Magen geht – alles Erlebnisse, die mit der einen oder anderen Überhöhung abgelagert werden :-)). Conny, Nadine, Katrina und Marcel bereiten sich mit letzten Schlägen auf die Prüfung vor. Gegen 13 Uhr kommt Herr Hegerfeld. Die Darstellungen sind überzeugend – es hätte der Ablenkung von Moritz, mit seinem Laser 5000 in Stegnähe zu kentern, gar nicht bedurft. Nadines segeltheoretischen Kenntnisse haben auch einen Quantensprung gemacht – die Prüfung glücklich bestanden, allein bei den Knoten kommt es zu Unsicherheiten, die mich etwas rot werden lassen.