28.05. Südwind und grauer Himmel

Die Flagge von Griechenland hängt nass und traurig herunter, die Wasserfläche um den Steg gleicht einem Spiegel, gekörnt zuweilen von herabfallenden Regentropfen, die Vögel schwirren im Tiefflug vor meinem Fenster. Heute ist die große Prüfung angesagt, ein 14-Tagekurs geht zu Ende – da macht sich ein wenig Melancholie breit, denn es heißt wieder Abschied nehmen von Menschen, die Du gerade ein wenig kennen gelernt hast. Doch das ist der Lauf der Dinge, sie werden Teil der Geschichte, tauchen vielleicht irgendwann wieder in deinem Leben auf. So auch Gestern: plötzlich steht Hans-Günter Seyler vor mir, der in den 80er Jahren oft die Segelschule besuchte und mit Fritzecat gesegelt ist. Bambi und Folker machen sich bei der Reinigung des Hauses nützlich, so putzen sie das Bad, reinigen den großen Raum – ganz im Stillen und selbstverständlich – danke! Die Anspannung unter den Prüflingen wächst, immer wieder werden Fragen gestellt, Knoten geübt – Christina zeigt schon erste Anzeichen der Knüpfüberzüchtung mit Krampf in der Hand. Gegen 17 Uhr treffe ich mich mit Paola Matsumoto, einer attraktiven Mexikanerin, die aber akzentfrei Deutsch spricht ... sie will in Eigenregie den Sportbootführerschein See erarbeiten, lässt sich von mir beraten und mit Material versorgen. Sie macht einen sehr gewitzten Eindruck, auf meine Fragen, welcher Lerntyp sie sei, erzählt sie mir von – sie hat ein kleines Kinde – von der Schwangerschafts- bzw. Stillzeitdemenz. Sie entsteht durch Hormonausschüttungen, die bewirken sollen, dass sich die Frau ganz auf ihr Kind konzentriert. Damit werden alle Dinge, die außerhalb dieser Sphäre liegen ausgeblendet. Nette Theorie. Und ... wir haben endlich eine Optilehrerin, die im Juli beginnen wird. Am Dienstag treffen wir uns, damit ich sie in Material und Revier einweisen kann. Konstanze schickt erste Pläne für das Klappbett in ihrer Residenz – apropos: da war doch der Kapitän der Anna bei mir und fragte, ob seine Tochter nebst Freundinnen darin einmal schlafen dürften – da ging aber meine innere Hutschnur hoch! In der letzten Woche haben eigentlich alle die Privatheit der Ko-Hütte berücksichtigt – keiner hat sich dort auf die Veranda gesetzt ...