31.07 Der Tag der Prüfungen



Während meine Gruppe vor Ort bleibt, bricht der Rest der Schülerschar gen Fehmarn auf. Flaute beherrscht die Szene. Die Boote gehen teilweise in Schlepp. Am Nachmittag regt sich am Steg eine ganz leichte Brise. Andreas, Georg und Wolfgang auf einem Menhir – ich stehe auf dem Bug vor dem Vorstag, schließe die Augen, versuche den Windeinfall in seinem kariziösen Wechsel zu erfassen. Lohn dieses intensiven Feintrimms: unser Boot, die bewachsene Uranus, überholt eine Möwe, die von Lennart gesteuert wird. Erst kurz vor der Fahrrinne, als sie der achterlichen Windströmung gewahr werden, können sie wieder aufholen. Eine dunklere Wolkenwand kündigt Wetteränderung an, die ersten Böen fallen in die Segel. Meine Crew kreuzt im Fahrwasser Richtung Yachthafen. Mit großer Spannung und Präzision werden die Wenden vollbracht. Am Horizont sehen wir die heimkehrende Flotte. Sie hat sich in Orth mit dem Olifanten getroffen, um die Piratencrew zu tauschen. Wir liegen bereits wieder vertäut am Steg, als der erste Regen einsetzt. Wir ahnen noch nichts von dem kleinen Chaos in der Flotte. Holger/Susannen auf der Möwe kentern kurz vor der Werft, können die Jolle aber wieder aufrichten. Die Crew um Stefanie Mäder sitzt mit dem Schwert im Flach auf, das XL-Groß läßt sich nicht bergen, das Vorliektau hat sich in der Mastnut verklemmt. Nass – doch um ein Abenteuer reicher landet ein Schiff nach dem anderen. Derweil nutzt meine Gruppe den aufgekommenen Wind zum Training für die Prüfung. Nun haben wir ihn, den Wind um 5 Bft mit Böen durchsetzt. Mehr als 30 Prüflinge stehen für Freitag an, Jüngsten-, Junior- und Grundschein, zusätzlich wollen elf Aspiranten den Sportbootführerschein Binnen unter Segel und Motor erwerben. Die Menhire werden in Schichten genutzt, was aber kein großes Problem darstellt, weil wir über 16 Uhr hinaus segeln können. Am Donnerstag sitze ich abends mit Dieter Both – er hat 1972 seinen Schein bei uns gemacht – gemütlich im Strandkorb neben Konstanzes Häuschen. Später gesellt sich Maria zu uns. Nina bereitet sie Führerscheine vor, Passfotos werden in Reihe gemacht, in drei Anläufen, weil nie alle Leute zur gleichen Zeit zusammen kommen, klickt der Apparat mehr als 20 mal. Einen Tag vor der Prüfung überreicht mir ein Schüler seine Papiere für den Binnenschein, ‘wie’ zwei Wochen vorher schon sollen die Unterlagen in Lübeck sein? Per Fax wird die Anmeldung in Richtung Boudan geschickt. Erst am Prüfungsmorgen die Bestätigung – er kann mitmachen. So manch einen Führerschein müssen wir vervollständigen, Unterschriften nachliefern, Fehldrucke erneuern.

Es ist auch der Tag, an dem Tarzan Geburtstag hat, Luftballons schmücken den Raum, am Steg hängt die Flagge Japans, allerdings ist es die Kriegsflagge, wie mir die Mutter von Tatsumi erklärt. Dann noch ein letztes Foto, Kilian, knappe zweieinhalb, erhält aufgrund herausragender Leistungen der Mutter den Jüngstensegelschein unter Motor. Handschuhe, Gebühren für Paßbilder, Prüfung oder Kurs, Abreisende, Ankommende, Marian will eine Tüte Eiswürfel bei mir einlagern, einem Taubenschlag gleich umgibt mich die Einbindung in ständiger Ansprechbarkeit. Müde sitze ich neben Konstanze im Strandkorb, Thomas neben uns, Maria und Saza kommen hinzu. Rückblick auf das Piratencamp – auch der tapfere Saza ist durch mit Schicht. Früh klettere ich in die Koje, um den heutigen Morgen gegen 04.00 Uhr zu begrüssen. Auf dem Rasen vor dem Haus schlafen vier Leute, der Steg von Ulli belegt. Die ersten WE-Gäste sind eingetroffen. 18 Schüler warten heute auf uns....