16.07. Piratencamp löst Waldorfschule ab!

Drei tapfere Grundscheinler bei den Waldörflern dürfen ihren Erfolg feiern. Sie verbringen ihren letzten Tag am Strand ... Bei der Raumübergabe gibt es Probleme mit dem Mädchenzimmer – Sauberkeit und Abfallbeseitigung waren hier keine herausragenden Eigenschaften. Die Truppe wollte nicht wirklich vom Segeln überzeugt werden, obwohl die sympathische Leitung alles versucht hat. Gemeinsam chillen war wohl wichtiger. Mein Geburtstag kann ich ganz entspannt genießen: viele Bekannte und Freunde finden den Weg zu mir, zumeist klönen wir im Büro. Wolfgang hat wieder den Weg aus Berlin gefunden, Irene Tüschen gibt sich mit Mann und Tochter die Ehre …, da gilt es viel Geschichte abzugleichen. Ein kurzer Ausflug mit Stanzerl, Anita und Alf zur Seebrücke, dann folgen wir der Spur der Steine, von Dennis, Philipp, Lothar und Peter kommt ein toller Dokotisch mit Drehteller; mit Stanzerl geht es zu den Wiener Philharmonikern in der Elphi; Monika und Jörg, viele Aufmerksamkeiten in Wein und Buch ....

Das Piratencamp füllt sich – Caro, Lucia, Saza, Thomas, Sören und Heaven übernehmen das Kommando. Sazas Weckruf beendet selbst den Schlaf von Stanzerl. Am Montag – ich will gerade zu meinem Walk starten, sehe ich einen seltsamen Menschen Richtung Mole gehen. Ich verharre hinter einem Busch, bleibe aus seiner Blickrichtung, da biegt er beim Grogdenkmal auf unser Gelände ein, betritt den großen Raum und macht sich im Bereich der Kaffeemaschine zu schaffen. Ich stelle ihn zur Rede, er läuft aus dem Raum – ich folge ihm, stelle ihn noch einmal, frage ihn, warum er uns Butter, Bananen und Äpfel geklaut hat. Seine Unschuld beteuernd rennt er davon – von ihm geht keine Gefahr aus, es ist wohl ein „armer Hund“.

Später hat Maddel 26 Schüler im Raum, während meine Auffrischungstruppe 20 Personen umfasst. Vorraussetzung bei mir: sie müssen alle Kentertraining auf der Möwe gehabt haben. Mit den 20 Länderbojen haben wir Slalomkurs ausgelegt, allerdings werden sie desöfteren verschleppt, die Ordnung ist schnelle dahin. Nachmittags trainieren wir Ablegen, Halse und Anlegen. Der Wind wird wieder böiger .... Stanzerl macht mit anderen eine Fahrradtour. Abends sitzen wir mit Cata, Christian, Laura und Dennis an dem neuen Tisch, spielen das Geräuschspiel, das ich von Franzi und Julian geschenkt bekommen habe. Gestärkt haben wir uns mit griechischem Essen.

Dennis und Christian haben ja eine Werbefahrt mit dem Long-Boat in den Kommunalhafen unternommen. Leider haben sie dabei den Plural von „Max der Bruchpilot“ gebildet: Der Besan blieb an einem Schiff hängen, Fußbruch! Den ganze Tag haben sie gebastelt, jetzt ist es besser als vorher. Ich erinnere mich an ähnliche Situationen bei mir – das Gefühl der Peinlichkeit kenne ich zur Genüge. Laura und Melissa kämpfe bei dem Wind mit ihrer mehr als 10 Personen umfassenden Optigruppe. Jonah und Claas habe sich selbstständig an der 505er-Ruderanlage vergangen. In dem Wunsche, sie zu verbessern, haben sie sie nun außer Kraft gesetzt, damit ihr heutiges Tagesprogramm bestimmt. Luna und Franziska haben eine Möwekenterung erlebt, die ich am Steg stehend gar nicht mitbekommen habe. Birthe, auf einem Menhir unterwegs, konnte ihnen helfen. So geht ein ereignisreicher Tag zu Ende.

12.07. Fehmarnfahrt und Luft raus …..

Maddel meint, da wäre wenigstens noch Wind. So stechen wir mit acht Menhiren in See. Mit Uta sichere ich auf dem Schlauchboot, während Franzi und Julian mit dem Long-Boat Begleitschutz geben. Blauer Himmel, strahlender Sonnenschein, ein guter, mäßiger Wind bei großen Wellen. Nur zwei Menhire sind ohne Schiffsführer. Uta fährt ich sitze mit dem Gesicht nach achtern hinter ihr, habe immer wieder das Gefühl, mich festhalten zu müssen, da ich die Wellen nicht kommen sehe.  1,5 Stunden später legen wir an der Ostmole an. Einige Waldorfmägen haben die Überfahrt nicht vertragen. Sie nehmen den Landweg, denn die Eltern von Claas haben uns in Orth in Empfang genommen. Der Vater segelt mit uns zurück, im Auto ist kein Platz mehr für ihn. Die Rückfahrt geht noch schneller als die Hinfahrt, bis zur Kreuz im Fahrwasser, zwei Boote müssen wir in Kurzschlepp nehmen.
Wieder an Land erfahre ich das die Zahlen für die Menhirsegel fertig sind. Uta und Nele nehmen das Motorboot. Das Bekleben wird seine Zeit dauer, doch flugs organisiert Nele eine Schar von Helfern, noch vor der Nacht ist alles erledigt. Toll!

Am nächsten Tag herrscht schmaler Wind, die Motivation der Schüler sinkt, dann Wasserschlacht, die über die Grenzen hinausgeht: eine Schülerin fällt zwischen Steg und Bug ins Wasser – der Lehrer muss eingreifen. Nachmittags langes Kentertraining mit der einen Hälfte während die andere in Knotenkunde verstrickt wird. Abend gibt es noch unerfreuliche Luvanleger der Möwen mit der kulminirenden Meinung, daß Beidrehen ein probates Mittel sei.

Am Freitag ziehen die Schüler gen Steilküste. Saza ist erschienen, die Vorhut des Piratencamps. Vor Ort beginnt gegen 14 Uhr die Prüfung unter der Leitung von Axel. Drei Ostwindler sind dabei, diesmal bin ich informiert. Carla, Robert und René – unsere Grundscheinler -  werden mit versorgt. Sie sitzen zusammen mit der SBI-lern bei mir am großen Tisch. Nele hat vorher noch Scheine geschrieben. Danach beginnt die Praxis, Julian begleitet Axel. Dieter hat für das Nachprüfungsgespräch flüssig vorgesorgt. Mittlerweile entfalten sich am Steg die Vorbereitung für das Einspülen neuer Pfähle, ein Wigwam-Gerüst steht über der wunden Stelle, eine Spülpumpe wird mühsam zum Leben erweckt. Lothar, Peter, Ronny, Julian – sie alle helfen dem Projektleiter Dennis. Claas hat sich hervorgetan: die Bojen werden verräumt, eine Plane für die Landmöwe gebaut, am 505er geschraubt – jetzt im Abendlicht geht er mit Jonah auf Lasertour – der Ritt in den Sonnenuntergang. Währenddessen ist Stanzerl eingetroffen. Zuvor habe ich mit Anna-Lena den Ecuador-Film gesehen, sie geht für ein Jahr dort hin. Langsam trifft sich die Gemeinde. Morgen gibt es noch einmal drei Grundscheinprüfungen bei der Schulklasse; die tapfere Nele übernimmt zwei Schnupperschüler – ich kann Morgen relativ frei machen ...

04.07. Sturmfahrt

Maddel und Julian haben schon abgelegt. Meine Crew - die netten Jungs von nebenan – wollen erst noch ihr Frühstück beenden. Bei heftigen Böen gehen wir in die Kreuz. Da sie kein Ölzeug tragen, sind sie schnell eingenässt. Zwei verziehen sich in die Kajüte, intonieren ein Titanic-Lied. Der motivierteste führt die Pinne. Nachmittags wandert die gesamte Truppe zur Steilküste. Ich segle mit Belinda, Laura und Franzi, ihnen übergebe ich auch die Großschot, damit sie das schnelle Fieren trainieren. In der Fahrrinnen üben wir Wenden auf dem Tonnenstrich. Wieder am Steg segeln sie einen ersten Schlag ohne mich. Eine Kuhwende wird als Steilkurve ausgeführt, sie legen an, der Po ist feucht, sie wollen aufhören für Heute.

Und – Nele ist angekommen, eine Freude sie nach so langer Zeit wieder zu sehen. Abends sitzen wir zusammen mit Julian, Franzi und Michel zum Essen bei mir oben. Am nächsten Tag hören wir die Brandung der nahenden Prüfung. Nele und Andreas legen einen anspruchsvollen Kurs aus. Sehr publikumsfreundlich schwoit eine Boje auf Höhe des Steges vor der Mole, die andere schaukelt auf Höhe der Optiinsel. Zu dritt begutachten wir – Andreas, Michel und ich – die Segelkünste. Nicht schlecht, was uns geboten wird, in der Wende killt das Großsegel zu sehr, der Menhir wird durch den Wind gestoßen. Die Halse ist verbesserungswürdig. Platzwechsel vor Segelwechsel, bis auf wenige Ausnahmen lassen wir sie wiederholen. Nach jeder Runde geben wir Ratschläge, achten darauf, dass sie auch umgesetzt werden: Gewichtsverteilung beim Anlegen, das Schiff parallel zum Steg auslaufen lassen – doch wir geben uns alle Mühe, ihnen gerecht zu werden. Drei Menhire – zwei Frauencrews und nur eine Mannschaft mit Jungs – jetzt machen sie auch schon beim Segeln Geschlechtertrennung :).

In der Theorie habe ich die Hälfte in der Nachprüfung. Es sind unsichere Begrifflichkeiten. Ich gehe mit den Einzelnen auf die Anfänge zurück, vereinfache … und will, dass sie zu denken anfangen. So muss ich leider Andreas abwehren, der mit Astrid auf Kurzbesuch kommt. Um 1700 Blitzstart zur Akustikerin, die neuen Hörgeräte anpassen, kleiner Einkauf und dann noch zwei Prüflinge. Nele schreibt die Scheine, endlich schöne Schrift. Gemeinsam mit der Crew von Gestern grillen wir in den Abend.

Am nächsten Morgen gegen 0500 walke ich um den Binnensee, treffe bei der Rückkehr schon auf die ersten Schüler, die sich auf ihre Abreise vorbereiten – sie spielen Boccia. An der Tafel ein Graffitigruß der Klasse oder zumindest der röhrenden Hirsche: Antifa sponsert Segelschule Bennewichs – da wird mir so richtig warm ums Herz.

11.07. Ein ruhiges aber windiges Zwischenspiel!

Maddel frischt das Optischlauchboot auf. Julian und ich teilen uns die drei Schüler halbtägig auf. Das Wetter bleibt anstrengend, harte Böen gilt es zu parieren. Belinda und Laura wollen auch Motorboot üben. Zuweilen ziehen Regenschauer über die Bucht.
Am WE kommen vier Damen zum Schnupperkurs, die von Andreas besegelt werden. Jan hat Geburtstag, sein Bruder und seine Mutter sind gekommen, es gibt ein großes Frühstück. Lorenz, Jan und Nele gehen mit Kat und Schlauchboot ins Revier.

Am Sonntag bleibt die Wetterlage angespannt. Mit Simone und Katharina habe ich zwei neue Schülerinnen, wir nehmen Uta noch mit an Bord. Wir übernehmen den Menhir von Andreas, der wegen des harten Windes pausiert. Ich führe die Großschot, um die Böen abzufedern. Nach ein paar Up und Downs, gehen wir auf Vorwindkurs, um danach in die Kreuz gehen zu können. Beide haben schon Vorkenntnisse, die wieder an die Oberfläche gebracht werden müssen. Nachmittags tauschen wir die Crews, bei mir sind Petra, Maren und Gabi. Wir haben gute Stimmung an Bord, machen gegen 14 Uhr eine kleine Pause. Die Schulklasse läuft ein. Der erste Eindruck: sie sind wesentlich ruhiger als die Waldorfschule davor, sind aber auch nur 24 Schüler. Die Jungs sind in unseren Zelten untergebracht, die Mädels schlafen im großen Raum. Der Busch vor der Tür wird zum Bikinibaum. Im Inneren zeigt sich weibliche Unordentlichkeit.

Maddel übernimmt den Unterricht, unterstützt von Stefan, Nele, Andreas, Julian, Michel, Manfred. Claus übernimmt Simone, Gabie und Uta. Mit Jona, Claas, Linn und Katie veranstalte ich eine Einweisung zur Ausbildung. Es zeigt sich, alle können segeln, doch die genaue Performance der Manöver schultechnisch vormachen, fällt ihnen schwer, da sie ihre eigene, unbewusste Methode haben.

Am nächsten Morgen sitze ich mit Nele, Franziska und Jona im Motorboot. Katie und Linn übernehmen eine Crew von Mädels. Es hat wohl nachts Wanderungen gegeben. Weibliche Schülerinnen sind Richtung Jungszelte geschlichen, sind vom Lehrer, der in einem der Zelte schläft, abgefangen worden. Franzi segelt mit Jona Prüfungskurs auf der Möwe, sowie realistisches PüB. Abends gehen Laser und der Grüne auf Törn, während ich auf der Veranda im Tolino lese .... Christian ist mit einem Freund vor Ort, um das Nest für Cata zu bereiten – irgendwie ähnelt es dem Blesshuhn das unter Denk-Mal brütet :)

02.07. Waldorfschule auf dem Wasser!

Mit den Wasserfahrrädern wird es leider nichts, deshalb gibt Dennis Martha und Finn die Kajaks. Mit Stanzerl, Julian, Henning und Dennis umrunden wir im Long-Boat die Graswarderspitze, um dort den Sonnenuntergang zu genießen. Am nächsten Morgen liegen einige Schüler in Schlafsäcken am Stegkopf, der für sie eine romantische Anziehungskraft besitzt. Der Theorievorlauf findet in zwei Gruppen statt. Maddel im Haus, ich im Optizelt. Es ist erfreulich kühl im Zelt … wir kommen am Nachmittag bis zur Halse. Neu in der Truppe: Ole vom Verein, der die Ausbildungsgrundlagen auf dem Menhir umsetzen soll. Abends ein zweites Sonnenuntergangsankern mit Imbiss und Doko.

Am Sonntag zeigt sich der Himmel wolkenlos, ohne Hut und Sonnenbrille läuft nix. Wir segeln ins Revier – treffen unterwegs auf Anja und Ralf. 9 Menhire kreuzen zwischen Dalben und Stationsboot, die sich durch eine pinkfarbene Flagge bemerkbar macht. Herrliche Bilder – eine Yacht, die am Dalben anlegen will, fragt ob sie stören, kommen aber selbst zu einer Antwort. Für die Ankerlieger ist die Ruhe dahin, Kommandos über Megaphon erfüllen zuweilen die Luft. Stanzerl führt mit mir das Gummiboot, sie möchte das Steuern üben. Als ich kurzfristig übernehme, bekomme ich gleich wieder Schimpfe, weil mein Fahrstil zu eng ist. Zwischendurch machen wir ein paar Aufnahmen von Stephan auf dem Laser. Gegen Mittag steigt Stanzerl auf das Long-Boat, um Dennis beim Ankerauf und Schleppen zu helfen. Probleme auf den Menhiren sind die nachlassende Konzentrationsfähigkeit junger Menschen in der Pupertät bei sportlichen Aktivitäten, die Koordination und Zusammenarbeit in der Crew erfordern. Dazu die Hitze. Hinter dem Haus sitzt nachmittags ein ganze Riege „Hitzefreier“.  Die anderen Menhir gehen noch einmal für kürzere Zeit in der Bucht auf Kurs. 

Am Montag nimmt der Wind zu – West- bis Südwestwind mit Böen versetzt. Wir erklären das Boje-über-Bord-Manöver. Auf drei Menhiren fahre ich vor und lasse nachfahren.  Zunächst bin ich bei Belinda und Laura an Bord, zwei Auffrischungsschülerinnen, die noch neu hinzugekommen sind, dann habe ich drei Jungs und zum Schluss vier Mädels, von denen aber nur zwei an die Pinne wollen. Es ist anstrengend, die freifahrenden Menhire haben Schwierigkeiten sich zu halten. Nachmittags – der Wind hat weiter zugenommen, gehe ich nur mit Sturmgroß raus, jedoch: in den starken Böen luvt das Boot auch mit killendem Großsegel an. Dabei führe ich die Großschot, um schnell genug fieren zu können. BüB ist so nicht möglich, also gehen wir zum An- und Ablegen über. Gegen 1530 Uhr bin auch ich durch mit der Schicht. Eine Mütze Schlaf, dann nehme ich meine Kopfhörer, setze mich an meine Bojen, bastle sie fertig für den Einsatz. Heute am Dienstag segeln wir mit nur drei Menhiren, geführt von Julian, Maddel und mir.

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