23.06. Flaschenpost und 2 x Prüfung!

Am Freitag stehen wir unter schwer verhangenem Himmel, mein Walk findet im Nieselregen statt. Rike, Nicole, Lennard und Eike bereiten sich auf die Prüfung vor. Das gelbe Ölzeug auf den blau-roten Menhiren gibt einen guten Kontrast. Nicole interpretiert ihren Kurs zunächst etwas eigenwillig, doch zur Prüfung – es regnet jetzt heftig – ich bin in meinem roten Ölzeug wohl verpackt – fängt sie sich und bietet mit den Anderen eine gute Performance. Der Grundschein kann mit Überzeugung übergeben werden.

Am Samstag finde ich am Strand eine Flaschenpost, wohl von einem kleinen Jungen geschrieben. Sie liegt in der Nähe der Seebrücke. Vielleicht ist sie dort auch hineingeworfen worden. Ich widme mich meinen Bojen, die ihre Gewichte zu verlieren drohen. Heike, Henning, Heiko, Bettina, Emma sind zu Besuch. Mareike und Stefan geben sich die Ehre. Stanzerl geht schwimmen, besorgt fragt Lale nach einer Weile, ob ich sie denn im Blick hätte. Sorgen macht uns der Schlick: Henning, Stanzerl und Nils arbeiten unermüdlich. Wie gewohnt wollen wir einen Anhänger zur Entsorgungstätte bringen, doch neuerdings gilt es nicht als Gartenabfall sondern wird nach Gewicht berechnet. Vermischt mit Wasser, Sand und Steinen hätte eine Ladung regulär dann über 60€ gekostet. Das ist natürlich zu teuer und so wächst der Seegrasberg an der Mole – wie lange das wohl gut geht?? Diese Braun/Grünalgen entwickeln sich nur hier in dem relativ stehenden Gewässer. Am Strand beobachte ich bei meinen morgendlichen Walks nichts Ähnliches.

Nils bereitet die Dora für den Unterwasseranstrich vor. Am Sonntag beherrscht ein schöne Brise das Bild: eine Schar von Segelwilligen sammelt sich: Heiko und Henning planen einen Menhirausflug, nehmen Franziska mit an Bord. Lale, Stanzerl  und Heike wollen auf die Laser; Mareike und Stefan ihren RS. Ich verbleibe an Land, denn um 13 Uhr startet die Prüfung für Celine und Julian. Zwischendurch kommen Nicole und Lennard, die ihren neuen Grundschein vertiefen wollen. Mit Axel stehe ich am Stegkopf und wir können auf eine gute Prüfung blicken. Eine Schinken-, Lachs- und Käsekollektion mit maritimer Ausprägung verschönert das Bild.

Im Tagesausklang gibt es Iraneis: Stanzerl hat Pistazien, Rosenwasser und Safran zur Verfeinerung beigefügt. Merle und Michel finden den Weg zu uns, wollen auch noch ein wenig Lasern. Damit nicht genug – der Wind geht und eine pastellfarbene Flaute legt sich über die See. Grund genug für Stanzerl,  ihre Nudeln mit Babyspinat zu verwirklichen. In einer pilchernden Aufwallung wird alles an Bord des Long-Boats verbracht, das den kommenden Sonnenuntergang an der Graswarderspitze ansteuert. Leider war es Feldsalat statt Spinat – es macht keinen Abbruch, denn ergriffen schauen wir dem Niedergang der Sonne hinter einem Wolkenschirm zu. Es dauert – aller Ergriffenheit zum Trotz lege ich mich für eine halbe Stunde nieder. Es sind Farbnuancen im Minutentakt. Unser Skipper – Nils – hat uns an eine besondere Stelle geführt – es gibt nur die Kimm, Wolken und das Farbenspiel .... welch ein schöner Tag ...

Der nächste Morgen grüßt mit Wolkenbänken, beschwerliches Walken in der Raupenspur. Wieder in der Schule – Stanzerl startet zum Morgenlauf – geht mein Blick an den Steg: ein Menhir liegt falsch herum, da hat sich wohl die Achterleine gelöst!

15.06. Prüfung – Hygiene & 0340 Uhr!

Ein stürmischer Sonntag kündigt sich an. Mathias möchte seine Grundschein- und mit drei anderen zusammen seine Seeprüfung ablegen. Der Ostwind baut sich immer weiter auf, bald ist die ganze Bucht mit Schaumkronen bedeckt. Nils hilft an Bord, tankt das Motorboot nach und hat den Anker klar zum Fallen. Bei einem Motorausfall wären Crew und Schiff der Mole ausgeliefert. Doch es geht alles gut, der Zaubertrank wird serviert, Nils übernimmt meinen Part.

Im Büro beginnt der zähe Prozess, ein Hygienekonzept für das Piratencamp zu entwickeln. Nils hat schon gute Vorarbeit geleistet, was ist realistisch, lässt sich durchsetzen, was nicht. Es wird einen täglichen Maskenball mit Flaschendrehen geben. Alle Eltern sollen angeschrieben, alte Hasen eingenordet werden. Das Team stellt sich den Bedingungen, tägliche Einsatzbesprechungen sollen neue Erfahrungen abgleichen, um eine Balance des Möglichen zu schaffen.

Es folgen noch weitere Sondierungsgespräche, bevor Stanzerl und ich einen Abstecher zur Seebrücke machen. Dort herrscht Traumwetter für Kiter. Zurück verabschieden wir die letzten Besucher. Ein Pärchen, das einige Tage bei uns segeln will, reist an, vor einigen Jahren haben sie bei uns gelernt.

Der nächste Morgen: der Mond führt noch Regie, als ich die Walkingstöcker anschlaufe. Die Uhr am Parkplatz zeigt 0340 Uhr, den Sonnenaufgang erleben ich auf dem Rückweg vom letzten Haus auf dem Graswarder. Tolle Laufbedingungen – einziges Problem, auf den unzähligen Ohrenquallen auszurutschen, die an Land gespült worden sind.
Fazit des Wochenendes: wir stellen uns den Aufgaben, wir haben ein gutes Team.

14.06. Gewitterzeit

Am Freitag nehme ich die Grundscheinprüfung für Heiko und Markus ab. Oliver kann ich in seinen Schein schreiben, dass er 30 Stunden gesegelt ist bei 2 bis 6 Bft. Christine, Werner und Ingolf reisen nach einer freien Segelwoche ab. Die Jugend läuft ein: Jan, Mischa, Jojo, Lorenz und Laura starten ihren Saisonauftakt. Der neue Katamaran wird eingesegelt. Voller Pioniergeist starten sie ihre ersten Schläge.

Der Samstag bremst sie etwas aus – den ganzen Tag grummelt Donner in einer strukturlosen Waschküche, weint sich der Himmel heftig aus. Die geistige Herausforderung: ein Hygienekonzept für die Piratencamps zu entwickeln, alle Eltern sollen einen Brief erhalten, um sich auf die neuen Bedingungen einstellen zu können.  Nils erarbeitet eine Grundlagensammlung, später wollen wir in einer gemeinsamen Konferenz beraten und zu Papier bringen. Die Rumpfcrew steht. Sie fragen, was sie denn helfen könnten. Stanzerl wirft sofort das Seegras ins Getriebe. Unerschrocken arbeiten drei gelbe Musketiere bei strömender Regenbegleitung am Strand.

Abends wollen wir dem Wetter trotzend grillen. Ein Pavillon hilft. Lothar kommt, seine H-Jolle will er lenzen. Zum Schluss sitzen Stanzerl und ich in unseren grünen Gehschlafsäcken im Gespräch mit Lothar und Rolf. Am Sonntag, kurz nach 4 Uhr, breche ich zum Walk auf – Lichterspiele und gute Lauffläche machen Vergnügen. Bei der Rückkehr wecke ich wunschgemäß Jan, denn früh will er den Tag nutzen, mit dem Kat durch die Wellen fegen.

10.06. Eine Hand voll Schüler!

Maddel, Nils und Henning betreuen vier Schüler. Nils erklärt die Theorie an der Tafel. Im Hintergrund reisen drei Ehemalige an – Airbus, Finanzamt und Lehrer. Die neue Verordnung ist raus. Stanzerl und Nils arbeiten sie durch. Das Wichtigste: Duschen wieder erlaubt – Desinfektion, Abstand und Masken bleiben. Unsere eigenen Masken verteile ich an die engen Leute der Segelschule. Astrid arbeitet sich weiter ein ....

Am Montag kommen vier neue Kunden. Zwei Schnupperer und zwei Grundscheinler. Morgens kommen Celine und Julian hinzu, die für ihre Prüfung trainieren. Am späten Nachmittag mache ich mit ihnen Theorie und danach Sportboot See. Mein geborgenes Hörgerät knistert ständig, ich bringe es zur Reparatur. Sabine und Lothar haben ihre schöne Holzjolle gebracht, sie wird erst einmal am Steg gewässert, damit die Planken zuquellen können. Unsere Dreiercrew geht auf Törn, bleibt abends in der Flaute hängen. Besorgt richten wir unsere Ferngläser auf die Kimm. Mit relativ guter Laune laufen sie aber wieder ein.

Am Dienstag sind dann zwei Hunde auf den Menhiren ... abends kommt uns Andreas zu Besuch, der uns bei den Piratencamps in der Küche geholfen hat. Ihn hat es nach Süddeutschland verschlagen, kommt aber für Skipperaufgaben an die Küste. Aus seinem reichen Erfahrungsschatz zeigt er uns, wie Tauwerk aufgeschossen und geworfen wird. Robert, ein Ehemaliger vom letzten Jahr, kommt in unsere Runde, wo der letzte Botucal versiegt.

Meine Walkingrunden sind schön, wenn sich das Wasser etwas zurückzieht. Dann habe ich eine gute Lauffläche, die aber bei Hochwasser verschwindet. Symbolisch sammele ich einige Abfallstücke auf. Ich kann beobachten, wie der Strandbagger mit Haaresbreite unter der Seebrücke hindurch fährt. Wir haben zuvor schon Grüße ausgetauscht ...

04.06. Ein langer Tag!

Der Außenborder wird abgesenkt – Motorenausbildung mit Celine, Diego und Julian bei leichten Winden. Nachmittags: HD läßt die Drohne steigen – sie filmt meine Segelei, um Anschauungsmaterial für die Schule zu erzeugen. In 90 Minuten lege ich mit Diego als bravem Vorschoter an die 80 Manöver hin. Es folgt der Showerdown: bekleidet mit Pfeifenshirt, Handtuch, Cowboy-Hut, Sonnenbrille und Pfeife muss ich auf Kommando aus der Dusche – durch die Saloonschwingtüren – heraustreten. Ein Bojenlieger, der sein Schiff slippen will, muss solange warten, bis der Künstler seine Arbeit erledigt hat.

Nachmittags übernimmt Nils meinen Schüler zum Spezialtraining. Gegen 1530 Uhr habe ich ein klärendes Gespräch mit dem Chef der WSD Heiligenhafen. Ihm geht es um die Bojenlieger, die zu meinem Feld gehören. Mich interessiert dagegen das laute Anrufen meiner Segellehrer und –schüler durch einen bestimmten Herren. Das führt beim Passieren der Enge an der Werft zu Verwirrungen und gefährdet die sichere Durchfahrt meiner Jollen, die wir seit 50 Jahren so gut wie unfallfrei vorbeiführen – nur einmal hat meine Versicherung Geld dafür bezahlen müssen, wie eine Jolle einen Kratzer im Gelcoat einer Yacht hinterlassen hat.

Dieser Herr wird indirekt beschrieben in einem Artikel, den ich in der „Seglerwerkstatt Stade“ gefunden habe:

Die Dirk, der Feind der Segler

Ein Ana­chronis­mus der be­son­deren Art ist die Dirk. Machte sie in den Sech­ziger bis Acht­ziger Jahren des vorigen Jahr­hunderts durch­aus einen Sinn, so ist sie heute nicht nur überflüssig, sondern beim aktiven Segeln sehr schädlich. Warum ist das so?

Die Dirk läuft in der Regel als starke Leine mit 8mm oder 10mm Durchmesser vom Masttopp zur Großbaumnock. Da sie beim Segeln viel Lose haben muss, scheuert das Tauwerk oft auf dem Segeltuch und den Nähten. Schon dieser Umstand sollte vermieden werden, richtig ärgerlich wird es aber, wenn wir uns die Aerodynamik ansehen. Dazu muss man wissen, dass ein runder Querschnitt, wie beim Tauwerk üblich, gegenüber einem gut profilierten Tropfenprofil den ca. 30 bis 35fachen Widerstand erzeugt. Dieser Vergleich zeigt sehr deutlich wie strömungsungünstig ein Tauwerk ist.

Wir erzeugen also mit unserer Dirk einen erheblichen induzierten Widerstand. Zu allem Überfluss auch noch an der Stelle, an der unsere beiden Strömungen, von Lee und von Luv, wieder aufeinander treffen. Also in einem sehr sensiblen Bereich. Da heute alle modernen Yachten mit Kickern, also Baumniederholern, die auch nach oben arbeiten, ausgerüstet sind, macht eine Dirk beim Segeln einfach keinen Sinn. Lediglich auf einigen Katamaranen ist der Einsatz einer Dirk häufig noch nötig. Aufgrund von Aufbauten direkt hinter dem Mast ist schlicht kein Platz für den Drehkreis des Kickers vorhanden. Selbstverständlich gibt es auch gute Gründe, eine Dirk am Mast eingezogen zu haben.

Sei es als Ersatz für das Großfall, vielleicht auch, um den Großbaum im Hafen ruhig zu stellen oder, besonders im Mittelmeer üblich, die Gangway im Hafen am Heck hoch zu halten. Sicher alles richtige Gründe, doch dafür muss die Dirk beim Segeln nicht an der Baumnock befestigt sein. Besser ist es, sie in diesen Fällen beim Segeln, wie ein nicht genutztes Fall, am Mast zu fahren.

Ein sehr erfahrener Aero- und Hydrodynamiker hat einmal folgenden Vergleich für eine 10m Yacht formuliert: Eine Dirk zu fahren ist wie einen 10 Liter Wassereimer hinter einer Yacht her zu schleppen.

Also lassen Sie uns folgendes Fazit ziehen: Die Dirk muss weg!

Gegen 16 Uhr gebe ich Theorieunterricht „Motorenkunde“, danach Navigationunterricht und schließlich empfange ich Interessenten für den nächsten Sportboot See-Kurs.

Am Mittwoch übe ich mit Diego, Celine und Julian das BüB-Manöver ein. Anschließend kaufe ich bei Richter Verstärkungsmaterial für die Aufsteller meiner Flyer. Beim Steuerberater hole ich die Anmeldepapiere für meine neue Putzfrau, hole dann mein Hörgerät ab, wobei ich die nette Akustikerin gleich zum Schnupperkurs einlade. Zwar knistert das Gerät noch, doch mal abwarten. Immerhin lag es eine Nacht in Salzwasser. Am frühen Abend heißt es noch einmal: Navigation — dann kehrt Ruhe ein.

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