Was für ein Tag!



Es ist Donnerstag. Gemächlich findet der Morgen seine Strukturen. Die Jollen schleichen bei leichten Winden in der Bucht. Gegen 1030 Uhr soll die „Marco Polo“ auslaufen – die Segelschüler wollen ihr ein maritimes Geleit geben. Frederico will sein Schiff nach Dänemark verholen, wo es in ein Trockendock soll. Es wird wohl eine längere Reise, bis der Wind die Segel bläht.

Ich bereite Werbung für das Schaufenster am Markt vor. „Gin Tasting und Speed-Sailing“ sollen unter das Volk gebracht werden. Wieder im Büro meldet sich die Stadt bei mir: „Vermissen Sie etwas, Herr Bennewitz?“ Ich bin erst einmal ziemlich verdattert, bis mir die Dame den Inhalt meiner Geldbörse schildert. Die habe ich verloren. Es war warm, ich habe keine Jacke getragen, keinen Pullover, wo alles leicht verstaut werden kann, ich habe das gute Stück in der Hand getragen, eingehüllt in einem eingeschweißten Plakat. Dort muss es unbemerkt herausgerutscht sein. Es war auch ziemlich viel Geld für Löhne und Gehälter drin. Zusätzlich Ausweis, Kredit- und Tank- und Bahnkarte. In verstärktem Schnellschritt eile ich zum Rathaus. Eine nette Frau hat dort im Ordnungsamt alles vorbereitet. Sie hat auch schon den Finderlohn entnommen: 83 €. Erleichtert gebe ich noch 100 € dazu, verspreche auch, die Finderin anzurufen. Innerhalb von 20 Minuten bin ich wieder an der Segelschule, wo drei Motorbootschüler auf mich warten. Bei schöner Nachmittagssonne kann ich sie schnell auf Kurs bringen, weil sie schon vorher auf einem anderen Motorboot geübt haben. Zwischendurch haben Nena, Daria und Hendrik ihren Grundschein bei Jan bestanden. Ich habe eine Verabredung mit der Finderfamilie. Auf der Terrasse von Konstanze schnacken wir mit den Eltern und der Tochter bei einem Wöhrle-Wein. Gegen Ende lade ich sie am Samstag zu einem Segeltörn auf dem Menhir ein. Im Büro erreicht mich dann der Anruf von Elke Thomsen, einige Jollen scheinen in Schwierigkeiten zu stecken. Als hätte ich es geahnt, der Westwind hat zwischendurch Böen mit fünf Windstärken. Jan und Daria machen sich auf dem Katamaran klar. Nikki nimmt Dascha auf den 505-er und Lennart segelt den Laser. Doch sie verschwinden Richtung Dalbenbucht. Mit Flo wieder im Einsatz gibt ein gutes Gefühl. Wir finden sie am Graswarder, nehmen zunächst Lennart in Schlepp und Dascha an Bord. Da sie sichtlich friert, gebe ich ihr meine Öljacke. Dann geht es wieder hinaus – sicherheitshalber haben wir Lampen an Bord. Der 505er ist gelenzt, beide Tanks waren vollgelaufen, der Cat hat Schäckelprobleme, soweit ich es verstanden habe. Beide nehmen wir in Schlepp. Den Leute ist nichts passiert, doch was lässt sich aus dieser Situation lernen. Mit Flo teile ich Erinnerungen an ähnliche Situationen. Wir haben volles Verständnis für die jungen Segler, die die Herausforderung suchen, vielleicht etwas falsch einschätzen. Es gilt aber auch, Lehren daraus zu ziehen. Inzwischen ist auch mein Stanzerl eingetroffen, in der Hektik fast untergegangen (

Am Freitag entspannt sich die Lage. Im Hintergrund läuft schon die Ankunft der Schulklasse – an die 40 Personen werden in der Segelschule eintreffen, Schlafräume und Zeltplatz besetzen. Zwischendurch läuft die Grundscheinprüfung für Sabine, Alexandra, Tobias und Thomas. Jan hatte am Mittwoch und Donnerstag noch zwei Schnupperleute, die ihn auch ziemlich gebunden haben..., Gedanken, ob wir so etwas nicht verhindern sollten. Um 13 Uhr segle ich mit Mutter und Tochter, jene wollte ihr einen Zugang zum Segeln bieten. Später gehe ich noch Einkaufen, kann mich vor den Spießen nicht zurückhalten, womit ein abendliches Grillen schon vorprogrammiert ist. Es ist auch immer wieder ein Abschied-Nehmen: Markus, Monika und Severin melden sich für den nächsten Pfingstkurs an; Lennart meldet sich ab, nicht ohne vorher noch über die Windsituation am Vorabend reflektiert zu haben; Nina macht sich mit Gerrit auf dem Weg; es ist ein ständiges „Kommen und Gehen“. Abends mache ich noch eine Sprachübung mit Dascha, die am Nachmittag bei flauen Winden mit großen Drehungen noch Laser gesegelt ist. Ein Lerncomic soll dabei helfen. Sie hat auch schon einen Bericht auf Deutsch über die gestrigen Erlebnisse geschrieben. Und so müssen wir Morgen weitere Vorbereitungen treffen für die große Schulklasse.





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