Image by Lennart Heim

Ralphs Tagebuch






Bei leichten Wind aus West/Südwest bleibt der Kurs konstant; Westboje – Optiinsel – Steg. Während die Prüflinge warten gehen zwei Laser auf Kurs: Petra und Dascha bekommen eine Einweisung, versuchen dann vor dem Steg ein Kentertraining. Dascha ist leider zu leicht, um die Jolle aufzurichten. Ein Bootsverleih legt ab. Gegen Mittag kommt Edith – unsere Prüferin -. Sie wird von einem Meer von Schnittchen empfangen. Da wir der Stetigkeit des Windes nicht trauen, beginnen wir mit der Segelpraxis – doch gerade jetzt schwächelt der Wind weiter, ärgert die Segler mit Drehern, Fastflaute. Da liegen die Nerven schon mal blank. Luvkrängung, back geschlagene Fock oder ein zu frühes Überholen derselben führen nicht zu Beruhigung. Ein Haarscharfmanöver entlang der Mole reizt auch meine Nerven....doch dann haben es alle geschafft, Motorboot und Theorie laufen gut über die Bühne. Erleichtert machen wir uns über Sekt und Schnittchen her. Am Abend wollen wir dann wieder grillen, jeder bringt seine eigenen Sachen mit. Tagsüber war auch Nadja mit ihrem Freund auf einem 470iger. Abends sind dann noch Flo, Josephine, Stephi und Jens dazugekommen. Mit dem Beamer schauen wir unseren Chinafilm mit Flo und mir als Open-Air auf der Leinwand an. Im Kommunalhafen liegen die Bauplattformen mit den Akerpfählen, die eine 30, die anderen fast 40 Meter lang auf einer Beite von fast 10 Metern. Davor liegt noch ein Trainingsschiff der DGzRS mit 22 Metern Länge. Bei meinen Walkingrunden baue ich zur Zeit auch immer einen Steg im Yachthafen mit ein. An Steg 4 liegen einige schöne Holzyachten, während an Steg 3 auch kleinere Yachten festgemacht sind. Am Samstag treffen Laura und Tanja noch ein – die Altvorderen versammeln sich. Niklas und Jan haben schon Gestern ihren ersten SUP-Verleih erlebt, vielleicht kommt Heute noch etwas hinzu…..Heute leiten sie einen Schnupperkurs mit fünf Leuten, der Wind hat etwas aufgefrischt und sich auf Nordwest eingependelt. Stanzerl, Petra, Stephi, Tobias und Josephine haben mit den Lasern die Bucht verlassen. Yuki und Kirsten verabschieden sich, nicht ohne den groben Plan für das Speed-Dating der Segelschule Heiligenhafen-Bennewitz zu hinterlassen. Geplant ist ein Grundkurs vom 15. bis 19. August, um so – nunmehr fachlich geeignet – den richtigen Partner zu angeln. Name: Love & Lee! Geplant sind mindestens 12, maximal 24 Personen, die Anmeldungen laufen ab jetzt!

Aggressive Windstöße kräuseln das Wasser zu dunklen Fläche, die über das Wasser fegen. Dann gibt es kleine Schönwetterperioden, bis der nächste Angriff aus der Büchse der Pandora kommt, die Menhire am Wind ihr Krängungsmaximum erreichen und mein Herzschlag auszusetzen droht. Die Halsen sehen dagegen harmlos aus, wenn das Groß ganz gefiert ist. Die Anleger sind rasant, ein runder Fender hängt mit






am Flaggenmast des Steges. Die Schüler müssen sich diesen Bedingungen stellen, da am nächsten Tag die Prüfung lauert. Das Wechselspiel des Winde geht weiter: ein heftiger Schauer prasselt hernieder, lässt das Tagelicht schwinden. Mit Stolz sehe ich Lena und Freundin einen Menhir meistern. Aber auch alle anderen Schüler/innen erwerben sich ihre Tapferkeitsmedaille, sie bieten dem Wind die Stirn. Dann passiert es: eine Rudergängerin zögert abzulegen, weil neben ihr Boote liegen. Ich bringe sie dazu, rückwärts abzulegen. Es gelingt, doch Vorrausfahrt donnert sie direkt auf einen Menhir zu – im rechten Winkel. Da sie die Großschot leider schon fest hält, kann sie nicht mehr abfallen – so kommt es zu einem deutlich knirschenden Erlebnis. Der Patient liegt an Land, wartet auf Dr. Maddel. Insgesamt bewähren sich unsere Kielschwerter. Abends sind wir bei Laura und Stefan in Ihre Ferienwohnung an der Seebrücke eingeladen. Prima chinesisches Essen und ein ungewohnter Blick vom Balkon auf die Leute, den Yachthafen und die Brücke. Der nächste Tag beginnt etwas entspannter, die Grundscheinprüfungen können durchgeführt werden. Niklas und Jan können die Scheine verteilen, Maddel wird von den Schülern besonders erwähnt, hat er doch auch seinen Anteil in d


ie Ausbildung gegeben. Meine Schüler müssen warten. Die amtliche Prüfung ist für 14 Uhr vorgesehen, wird aber etwas nach hinten verschoben. Die Prüferin kommt, muss sich aber noch von den praktischen Yachtprüfungen erholen. Waagerechte Gischt und Grundberührung sowie einige Durchfälle fordern ihren Tribut. Leider gibt es einen Durchfall in der Theorie, ein Fehler zuviel. Am nächsten Tag besteht er in Kiel mit 0 Fehlern. Die Praxis verläuft ganz gut. Wir erwischen zwischen Starkwind mit weißen Schaumkronen und Regenschauern, die uns einen farbigen Bogen schenken, eine sonnige Lücke. Die Schnittchen landen in hungrigen Mägen

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Am Abend feiern wir den Geburtstag von Dascha mit einem großen Grillfest. Ihre Verwandten und die von Jigor sind mit dabei genauso das Ehepaar das eine Wohnung in Neu-Ratjensdorf zur Verfügung gestellt hat. Unser erstes kleines Ukrainisch-Deutsches Fest. Dascha bekommt von mir drei Bände Asterix auf deutsch, von Niklas ein Messer, von Laura ein T-Shirt und von Stanzerl Segelhandschuhe.

Einsatz für Niklas: ein Vogeljunges fällt aus dem Nest. Beherzt erklimmt den Baum, kann das Junge zurückbringen.

Am Samstag wieder eine windige Angelegenheit. Wir starten nur mit Sturmgroß. Erst am Nachmittag nehmen wir die Fock hinzu. Der Wind verstärkt sich – ich führe die ganze Zeit die Großschot. An Bord drei angenehme Menschen: Olga, Kirsten, Tine und Thomas. Klausi wird in seine Funktion als Schiffsführer eintrainiert.

Sicher kein Wetter für lockeren Bootsverleih oder die neuen SUP’s, die ab dem ersten Juni bereitstehen sollen, um das Programm der Segelschule Bennewitz zu erweitern. Niklas und Jan, meine beiden leitenden Segellehrer, wollen so den Mehrwert der Segelschule zu erbringen.

Abends juckt es die Segellehrer und Stanzerl, Wassersportaktivitäten vom Besten zu zeigen. Vier Laser fegen durch die Bucht, wobei sie zuweilen mit dem Mast Bodenproben nehmen. Danach wollen wir Doppelkopf spielen. Doch nach kurzer Zeit schlafe ich, im Sitzen, die Karten noch in der Hand – so trage ich nach nur 8 Ruden meinem Schlafbedürfnis Rechnung. Am Sonntag begrüßen wir an Bord Yuki, die nun einen Tag aufholen muss. Nach kurzer Zeit segeln sie selbstständig ihre An- und Ableger bei leichter Brise und Sonnenschein – so entspann kann Segelausbildung in Heiligenhafen sein.

Mit Helga und Laura sprechen wir über Klassenfahrten und Lehrerfortbildung. Helga kommt am 11. Juni mit 30 Schülern, sechs Begleitern, fünf ehemalige Schüler ihrer Schule haben sich zur Auffrischung angemeldet. Wir wollen die Klassenfahrten neben Teambuilding intensivieren.

Morgens walke ich meine Runde, fange Wolken-, Wasser-, Sonnen und Schiffe ein. Heute bin ich Steg 5 entlang geschlendert. Auf der rechten Seite liegt ein Motorboot, das an der Seite ein Schild mit einem durchgestrichenen Poller zeigt: Anlegen verboten…. So etwas finden wir in der Segelschule Heiligenhafen aber nicht. Wenn die Windverhältnisse entspannt so weitergehen, können wir auch den ersten Tagesausflug nach Fehmarn planen.



Im Kommunalhafen fällt mir der alte Fischkutter auf, der jahrelang am Fischereidamm gelegen hat. Aus der Bordwand wuchs schon ein Baum. Nun scheint sein Schicksal besiegelt. Es stehen Kran und einige Bagger herum, die Pflastersteine sind herausgenommen und große Stahlplatten verlegt worden.

An der Seebrücke weht die Gildeflagge – wir erwarten Spielmannszug und schwarze Zylinder, untermauert mit Grünkohl und Köm!

Auf dem Rückweg nehme ich mir Steg 8 vor. Ein Schiffsname sticht ins Auge: Unsinn! Das lässt die Fantasie galoppieren. Schiff gekauft und keine Zeit zum Segeln? Viele Schiffe verbringen zuviel Zeit im Hafen.

In der Schule ist Ronny schon auf den Beinen, noch scheint die Sonne, doch der Wind wir sehr böig, soll Morgen, wenn die Prüfung stattfindet, bis 8 Bft erreichen – mal sehen, was wir da noch machen können. Niklas und Maddel haben eine kleine Gruppe von Grundscheinlern, während ich über meine drei Binnler wache. Bernd und Joshua nehmen auch den vollen Theorieunterricht mit. Motorenausbildung haben wir schon hinter uns, all das in nur sieben Tagen, da kann schon Stress aufkommen. Mit den Ukrainern segeln wir bei noch nettem Wetter bis zur Osttonne. Mit dabei die Oma des Jungen, die gerne auf See sein möchte. Dascha wird, wenn das Wetter mitspielt, am Freitag ihren Geburtstag zusammen mit ihren Verwandten in der Segelschule feiern. Steffi und Gert haben gestern eine Möwe ausgeführt. Laura und Stefan samt Kindern verbringen eine Woche in Heiligenhafen, schauen des Öfteren rein. Stanzerl ist wieder eingetroffen, mäht gerade den Rasen, und unser Dieter sitzt auf der Lästerbank und schaut dem Treiben zu.